Ein Gipfelschluck muss einfach sein

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Der Gannerhof, Villgrater Natur und die Destillerie Schwarzer verbinden im Villgratental Landschaft und Kulinarik in wohlschmeckender Weise. Ein Lokalaugenschein von Vene Maier  BRANDNEWS-ONLINE

 

Ein Gipfelschluck muss einfach sein. Man glaubt ja gar nicht, wieviel Kraft in so einem Stamperl steckt, wie sehr es müde Muskeln wieder flott macht und um wieviel leichter dann die Abfahrt wird – und sei der Schnee noch so schwer. Ein Gipfelschluck hilft aber auch, wenn die Schnee super und leicht wie Mehlpuder ist. Dann gelingen die Schwünge in der Falllinie gleich noch mal so gut, und wenn der Firn die glatte Schneedecke schmiert, ist’s ja eh ein heller Wahnsinn. Aber: Mit einem Schuß purer Energie in den Venen carvt man gleich wie ein junger G..., äh, jedenfalls wie ein Junger. Mit einer schönen Fahne hinter sich, aber natürlich nur eine solche aus Schnee.

 

Diese kleinen Momente des skifahrerischen Glücks sind es, die dem Gannerhof *) in Innervillgraten auch im Winter eine akzeptable Auslastung bescheren. Der von den Mühlmanns – Vater Alois, Mutter Monika und Sohn Josef – geführte und bekochte Gannerhof ist so was wie ein Glücksfall für jene, die Wellness nicht im Panorama-Hotel samt Palmen und Hallenbad unterm Gipfel suchen, sondern sich in die pure Natur begeben, um wieder einmal so richtig ins Schwitzen zu kommen.

 

Weg vom „Strich des Massentourismus“

 

Das gelingt mit Garantie, wenn die Verhältnisse sind, wie sie derzeit sind. Abendsonne vor der Hütte, ein Flascherl frischen Weißen und eine glasklare Nacht vor sich, beste Voraussetzungen also, um sich anderntags einen Schluck aus dem Flachmann zu verdienen. Auf dem Gaishörndl oder auf dem Marchkinkele, auf der Kreuzspitze oder der Villponer Lenke. Und nachdem die Innervillgrater bekannt sind dafür, dass sie nicht „auf den Strich des Massentourismus“ gehen, wie es der Ex-Bürgermeister Schett auszudrücken beliebt, nähren sie sich (und ihre Gäste) eben redlich und mit hausgemachten Produkten. Für die Gipfeljause heißt das: Ein Schnaps vom Schwarzer, eine Lammwurzn **) vom Villgrater Frischlamm und ein Speck vom Gannerhofschen Hausschwein.

 

Wo gibt’s den Schnaps vom Schwarzer?

 

Was die Lammwurzn und den Speck betrifft, ist klar, wo man diese, frei von Geschmacksverstärkern und künstlichen Farbstoffen, bekommt. Beim Schnaps wird’s etwas diffiziler, aber keineswegs aussichtslos. Am Nächsten dran sind natürlich die Osttiroler. Gleich nah haben es nur noch die Touristen, die sich in einem schönen Hotel in Lienz oder Matrei oder in Innervillgraten einquartieren. Mit anderen Worten: Wer sich in einem der guten Hotels von Osttirol befindet, kann dort auch ein, zwei oder mehr Stamperl vom Schnaps des Herrn Schwarzer probieren. Und – für den Fall, dass der eine oder andere schmeckt – auch gleich mitnehmen.

 

Das, was jetzt etwas kompliziert kling, hat damit zu tun, dass Rudolf-Maria Schwarzer selber keinen Verkaufsraum hat. Noch nicht. Aber bis die ganzen Aus- und Umbaupläne in der Schwarzerschen Destillerie vollbracht sind, kann es noch etwas dauern und ob die Schnapstrinker so lange warten können (oder wollen), muss dahingestellt bleiben. Es wäre jedenfalls verlorene Zeit, denn die Schwarzer-Schnäpse sind jetzt schon von so hoher Qualität, dass kaum ein Gastro-Betrieb in Osttirol ohne diese sein will.

 

Verkaufslokal mit Ambiente

 

Ein gutes Zeichen, sollte man meinen. Die Schnapskarte des Gannerhofs zum Beispiel führt allein ein gutes Dutzend der Destillate des lokalen Brenners, und gleichzeitig ist dieser wunderbare Gasthof in Innervillgraten die vielleicht beste Verkaufsstelle. Denn ob es „Rudi“ Schwarzer gelingt, sein Verkaufslokal auch mit soviel Ambiente und Gourmetstückln anzufüllen wie es Alois Mühlmann in Jahrzehnten hinbekommen hat, muss sich ja erst noch weisen. Bis dahin heißt die beste – oder sagen wir mal: eine der besten – Adressen eben Innervillgraten Nr. 93.

 

Alles, was der Rudolf-Maria Schwarzer destilliert, kann hier Schluck für Schluck verkostet und auch flaschenweise – mit einem großzügigen Rabatt von minus 30 Prozent – erworben werden. Darunter finden sich auch so exotische Brände wie jener von den Tarocco-Orangen, welche sich Schwarzer direkt aus Sizilien zustellen läßt. Sehr spritzig und feinfruchtig, wenn auch mit einem leicht schnapsigen Touch, was wohl auf den Umstand zurückzuführen ist, dass beim Schwarzer die (Halb)Blutorangen ohne Schale in den Maischebehälter kommen. Aber an einer Verdichtung und Vertiefung des typischen Aromas kann ja immer gearbeitet werden, und wer weiß, ob ein gewisser Anteil von Orangenschalen – natürlich bio – dem Gesamtausdruck nicht noch mehr Kraft und Körper verleiht?

 

Aus Osttiroler Höhenlagen

 

Wem freilich Orangenbrand als Gipfelschluck zu exotisch ist, der/die greife auf einen jener Schnäpse zu, die aus dem Obst der Osttiroler Höhenlagen stammen: Brände vom Roten Weinapfel oder vom Idared, von der Alten Hausbirne oder der Speckbirne, von der Quitte aus dem Hausgarten oder der Vintschgauer Marille (Osttirol ist ja kein so guter Marillenboden, aber Südtirol nicht sehr weit). Und nicht vergessen: Als Gipfelschluck eignet sich ein Pregler-Schnaps, der traditionelle Obstler der Region, auch ganz wunderbar.

 

Um all diese Brände kümmert sich Rudi Schwarzer, seit er die alte Brennerei eines gewissen Herrn Probst reanimiert hat. Das liegt jetzt gute sechs Jahre zurück. Seit dem Jahr 2000 produziert Schwarzer, im Hauptberuf Steuerberater, seine Brände in der neuerrichteten Destillerie in der Altstadt von Lienz. Was so jugendlich und nach einem Quereinsteiger in der Schnapsszene klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als eine Entwicklung, die tiefe Wurzeln und eine lange Tradition hat.

 

Irgendwie ein Weltrekord

 

Obwohl die Brennerei Schwarzer über keine eigenen Obstgärten oder Streuobstwiesen verfügt, wird seit Generationen Schnaps gebrannt. Alte (Ost)Tiroler Tradition halt. Aber darüber hinaus verweist die Brennerei auf eine gewerbliche Struktur mit viel Geschichte, hat doch schon Ferdinand Probst ganz zu Beginn des 20. Jahrhunderts hier in Lienz berühmte Spirituosen erzeugt und es zum k.u.k. Hoflieferanten gebracht. „Der Bitter" hieß – und heißt – eine dieser Spirituosen, und die brachte es in London, Leipzig und Wien allein auf 67 Goldmedaillen. Irgendwie ein Weltrekord. Schwarzer, dessen Familie die Probstsche Brennerei nach dem 1. Weltkrieg übernommen hatte, produziert diesen Kräuterbitter noch heute.

 

Ohne Aromastoffe, ohne Zucker

 

Der Schwerpunkt liegt seit etlichen Jahren aber auf den sortenreinen Obstbränden. Schwarzer bemüht sich dabei, hauptsächlich Obst aus  privaten Gärten und den Streuobstwiesen der Umgebung für seine Brände zu bekommen. Was für ihn eine der wesentlichen Voraussetzungen für Schnäpse ist, wie er sie sich vorstellt: Ohne Aromastoffe und ohne Zucker, also 100-prozent echte Destillate.

 

Das kann dazu führen, dass in manchen Jahren einzelne Sorten nicht verfügbar sind, weil die Ernte eben nicht gut oder groß genug war. Solche Schwankungen unterliegen der Natur, und auf diese legt der Brenner sehr viel wert. Das häufig verwendete Plantagenobst ist für Schwarzers Ansprüche allein schon deswegen nicht geeignet, „weil es jährlich bis zu 20 mal mit  Dünger und Spritzmitteln behandelt wird", was für ihn, seine Frau Romana und ihre mittlerweile fünf Kinder ganz einfach „ein Gräuel“ ist.

 

Wellness pur. Einfach Natur.

 

Kommt das Obst nicht aus den Osttiroler Anbaugebieten, dann kümmert sich Schwarzer darum, dass trotzdem Bio draufsteht und reine Natur drinnen ist. Wie etwa für den Marillen- oder den Blutorangenbrand, deren Früchte aus biologischem Anbau in bester Lage stammen.

 

Alles in allem Stoffe, aus dem dann, nach vollbrachtem Anstieg, die schönsten Gipfel-Träume erwachsen können. Bevor man sich nach einem Besuch in der Gannerhofschen Sauna in den Schnee wirft. Wellness pur. Einfach Natur.

 

 

Adresse:

Rudolf-Maria Schwarzer    

Mühlgasse 29a        

A-9900 Lienz           

0 48 52 - 733 66      

0 48 52 - 733 66-77

wt.schwarzer@netway.at

 

 

 

*) www.gannerhof.at

 

Dazu eine Info aus dem Guide Gault- Millau 2005:

 

Der Gannerhof

 

Im idyllischen Villgratental liegt der fast noch im Original erhalte Bauernhof mit eigener Landwirtschaft und Imkerei. Monika und Alois Mühlmann haben sich hier nicht nur ein entzückendes Schmuckstück geschaffen, sie sind auch mit ihrer Küche weitum bekannt geworden. Schon das zarte Carpaccio vom Kalb erfüllt uns mit Freude, die noch gesteigert wird durch die Spezialität des Gannerhofes: Villgrater Schlipfkrapfen. Für Freunde vom Lamm führt kein Weg am Lammrücken am Knochen und Filet mit Parmesanknödel in Himbeerbuttersauce vorbei. Der süße Abschluss von Nussknödeln mit Amarettosabayon lässt den Abend durch den immer freundlichen und herzlichen Service ideal ausklingen.

 

Glücklich ist, wer hier auch noch den gutbestückten Weinkeller ausprobieren und dann in den gemütlichen Zimmern als Pensionsgast bleiben kann. Im wunderschönen alten Bauernhaus duftet es nach Holz, Zirben- und Bauernstube laden zum Verweilen ein. In dieser behaglichen Umgebung schmeckt auch das „erweiterte"  Buffet-Frühstück mit den Produkten aus der eigenen kleinen Landwirtschaft. (Schwein, Hühner; Imkerei und Wild) besonders gut. Das ist Erholung pur in äußerst angenehmer Umgebung.

 

 

**) www.villgraternatur.at